Checkliste für eine erfolgreiche Hyper-V P2V/V2V Konvertierung [Download]

P2V Konvertierung steht für Physical to Virtual Konvertierung  und meint die Konvertierung eines vorhandenen physikalischen Servers in einen virtuellen Server.

V2V Konvertierung steht für Virtual to Virtual Konvertierung und meint die Konvertierung eines vorhandenen virtuellen Server einer Technologie A (z. B. VMware) in einen virtuellen Server der Technologie B (z.B. Hyper-V).

Die folgende Checkliste bezieht sich in erster Linie auf die P2V Migration auf Hyper-V, kann sicher aber auch bei anderen Systemen, bzw. bei der V2V Konvertierung Anwendung finden.

Am Ende dieses Artikels kannst du diese Liste auch als PDF herunterladen.

Daten des zu konvertierenden Servers aufnehmen

Organisatorisches

  • Termin steht fest, betroffene Nutzer wissen Bescheid?
  • Zutrittsmöglichkeit zum physikalischen Server vorhanden?
  • Testperson benannt? Meist kennt der ITler nicht alle Applikationen, bzw. kann sie nicht bedienen, daher sollte es jemanden geben, der diese nach der Konvertierung durchtesten kann.

Host vorbereitet?

  • Host sollte alle nötigen Tools haben, z.B. ISO von den verwendeten Betriebssystemen, Festplattenpartitionierer.
  • Lizenzcode bekannt? Nach der Konvertierung muss Windows wahrscheinlich neu aktiviert werden.
  • Applikationsfreigabe – Falls Spezialsoftware auf dem Server vorhanden ist, Freigabe seitens Hersteller einholen. Man spart sich u.U. viel Ärger und ist später gegen Sprüche wie: „Der Fehler ist weil sie virtualisiert haben…“Sonderkonstellationen berücksichtigen: Braucht es für Applikationen einen neuen Lizenzkey? Möglicherweise einen von der Hardware abhängigen? Dann darf die VM in einem Cluster möglicherweise den Cluster nicht wechseln.Gibt es USB-Dongles? Dann muss möglicherweise mit USB-Servern (z.B. Silex gearbeitet werden, da USB nicht in eine Hyper-V USB durchgereicht werden kann)
  • Servicepackstand: Gerade bei Windows Server 2003 ist dieser wichtig. Für die Installation der Integrationsdienste braucht es Servicepack 2. Vergisst man das, muss man nach der Konvertierung ohne Maus Servicepack 2 herunterladen und installieren. Erst nach Installation der Integrationsdienste funktioniert die Maus auch Remote.Will man das Servicepack auf der alten Maschine wegen der Fallbackmöglichkeit nicht installieren, dann sollte man es zumindest gut erreichbar ablegen.

Netzwerkeinstellungen aufnehmen

  • Hostname
  • IP
  • Netmask
  • GW
  • DNS 1
  • DNS 2
  • Besondere DNS-Einstellungen unter TCP/IP – Erweitert, z.B: DNS-Suffix
  • WINS

Datenträger-Layout aufnehmen / dokuementieren

  • Welche Partitionen sind vorhanden?
  • Wie gross sind die Partitionen?
  • Welche Laufwerke sind vorhanden?
  • Wie gross sind die Laufwerke?
  • Wie sind die Laufwerke auf Partitionen verteilt?
  • Gibt es Platzprobleme auf dem Ausgangsserver? Wenn ja sollten diese gleich bei der Konvertierung berücksichtigt werden und Partitionen entsprechend angepasst werden.
  • Wie soll das neue Datenträger-Layout aussehen?

Freigaben (Shares) dokumentieren

  • Welche Freigaben sind vorhanden? (Name, Welcher Ordner ist freigegeben)
  • Wie sind die Freigabeberechnungen?

Server vorbereiten

  • Server aus dem Monitoring nehmen (falls vorhanden)
  • CHKDSK auf allen Partitionen
  • Neustart ausführen – funktioniert dieser problemlos?
  • Ereignisprotokoll auf Auffälligkeiten überprüfen.
  • SQL-Server Dienste stoppen und Startart auf manuell – Dienste dokumentieren
  • WSUS-Server Dienste stoppen und Startart auf manuell – Dienste dokumentieren
  • Exchange-Dienste stoppen und Startart auf manuell – Dienste dokumentieren
  • SMTP-Dienst stoppen und Startart auf manuell – Konvertierter Server darf erst, nachdem die korrekte Funktion des neuen Server sichergestellt ist senden und empfangen. Der alten Server dann auf keinen Fall mehr online nehmen
  • Nach sonstigen kritischen Diensten suchen. Das sind vor allem Dienste, die ständig auf Daten zugreifen (z.B. Datenbankdienste) und daher während bzw. nach der Migration auf dem alten Server weiter Daten verändern können – Dienste dokumentieren
  • Wenn möglich externen Zugriff auf Server deaktivieren.

P2V (V2V)

Eigentliches P2V. Besitzt man kein spezielles Tool hierfür, dann kann man – insbesondere
für Hyper-V – eines der folgenden zwei Tools verwenden:

  • disk2vhd – Download hier
  • Citrix Xen Convert – Download hier – leider ist Citrix Xen Convert nicht mehr vergfügbar

disk2vhd

Unter Umständen verwirrend ist eine Eigenheit von disk2vhd genau das Partitionslayout wiederzuspiegeln. Pro Disk wird grundsätzlich eine VHD erzeugt.

Erhält Patition 1 z.B. C und D und man kreuzt bei disk2vhd C an, dann erhält man eine VHD-Datei, die C und eine leere D enthält. Der VHD-Typ ist grundsätzlich dynamisch.

Citrix Xen Convert

Auch dieses Tool eignet sich recht gut für die Hyper-V, da dessen VHD-Format auch vom Citrix XEN-Server verwendet wird. Bei diesem Tool verwirrt mich immer die Meldung „Laufwerk … muss formatiert werden, OK?“. Hintergrund ist hier, dass zunächst eine VHD-Datei mit der passenden Grösse gemounted wird und Xen Convert den Inhalt der ausgewählten Partition (bzw. wahrscheinlich den Inhalt eines Snapshots dieser Partition) auf diese überträgt. Auch bei Citrix Xen Convert ist der VHD-Typ dynamisch.

Allgemein

Man erhält anschliessend ein oder mehrere VHD-Dateien.

Virtualisierten Server testen

  • Geeignete VM erstellen, VHD anhängen, Netzwerk nicht verbinden
  • Gegebenenfalls Partitionen anpassen:Hatte man auf dem alten System schon Probleme mit dem Speicherplatz, ist jetzt der geeignete Moment Anpassungen vorzunehmen.Die VHD-Grösse erhöht man am einfachsten im entsprechenden Wizard im Hyper-V Manager. Zur Verkleinerung gibt es z.B. VHD-Resizer – siehe auch Wie ändere ich die Grösse eine VHD-Datei?Um die Partition innerhalb des Betriebssystems anzupassen, kann man entweder die Bord-Mittel ab Windows Server 2008 nutzen oder bei älteren Systemen von einer Acronis Disk-Director Boot-CD booten.Ich habe mir angewöhnt, vor solchen Aktionen die Ausgangs-VHD zu sichern. Geht etwas schief, muss man wenigstens den P2V-Prozess nicht noch einmal frisch anwerfen.
  • VM booten (Achtung! Bei nicht verbundenem Netzwerk kann der Rechner beim Booten sehr lange bei „Netzwerkverbindungen werden überprüft“ stehen bleiben
  • Integrationsdienste installieren
  • Ereignisprotokoll auf Auffälligkeiten überprüfen.
  • Partitions-/Laufwerkszuordnung überprüfen und gg. anpassen.
  • Umgebungsvariable „devmgr_show_nonpresent_devices=1“ setzen und im Gerätemanager ausgeblendete Geräte einblenden. Nicht mehr vorhandene Netzwerkkarten deinstallieren
  • Korrekte Netzwerkeinstellungen (wie Ausgangsserver) setzen bzw. überprüfen.
  • Hardwarerelevante Systemtools (z.B. HP Insight Agents) deinstallieren.
  • Gg. nochmal Neustart
  • Laufen alle Dienste?
  • Freigaben OK?
  • Funktionen testen
  • Alten Server herunterfahren (jetzt kommt der spannendste Moment)
  • VM herunterfahren, Netzwerkkarte in der VM nach aussen verbinden und Server starten
  • Alles nochmal durchtesten
  • Benannte Testperson bitten Applikationen durchzutesten
  • Bei Erfolg Ursprungsmaschine dauerhaft offline nehmen
  • Betriebssystem aktivieren
  • Backup und Imaging der VM kontrollieren
  • Start und Shutdown-Optionen der VM kontrollieren. Die VM sollte nach einer kurzen Verzögerung mit dem Host automatisch starten und heruntergefahren werden, bevor der Host heruntergefahren wird.
  • Server wieder ins Monitoring nehmen

Troubleshooting

Vergabe der IP

Beim Vergeben der IP-Adresse kommt eine Fehlermeldung

Die IP-Adresse XXX.XXX.XXX.XXX, die Sie für diesen Netzwerkadapter eingegeben haben, ist bereits dem Adapter Name des Adapters zugewiesen. Name des Adapters wird im Ordner „Netzwerk- und DFÜ-Verbindungen“ nicht angezeigt, weil er nicht physikalisch an den Computer angeschlossen ist bzw. weil es sich um einen Legacyadapter handelt, der nicht funktioniert. Wenn dieselbe Adresse beiden Adaptern zugewiesen wird und beide aktiv werden, wird nur einer von beiden diese Adresse verwenden. Dies kann zu einer fehlerhaften Systemkonfiguration führen. Möchten Sie im Dialogfeld „Erweiterte Einstellungen“ eine andere IP-Adresse für diesen Adapter in die IP-Adressliste eingeben?

  • Umgebungsvariable devmgr_show_nonpresent_devices
    auf Wert 1 setzen.
  • Gerätemanager aufrufen
  • Ansicht
  • Ausgeblendete Geräte anzeigen
  • Nicht mehr vorhandene Netzwerkkarte löschen

 

Beim Starten der VM „Mindestens ein Dienst oder Treiber wurde beim Systemstart nicht gestartet. Überprüfen
Sie das Ereignisprotokoll in der Ereignisanzeige“

Prüft man die Ereignisanzeige, dann sieht man die Meldung:

Treiber für parallelen Anschluss“ wurde aufgrund folgenden Fehlers nicht gestartet. Der angegebene Dienst kann nicht gestartet werden. Er ist deaktiviert oder nicht mit aktivierten Geräten verbunden.

„HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetServicesParport“ Wert beim Schlüssel „start“ auf „4“

Beim Starten der VM Fehlermeldung „Datei nicht gefunden…. oder ähnlich“

Unter Umständen hat man das Partitionslayout geändert. War das System auf Laufwerk D und dieses in der ersten Partition und hat man für D nun eine eigene Partition gemacht, so stimmen die Einträge in der boot.ini jetzt nicht mehr. Hier muss man die boot.ini entsprechend ändern (z.B. mit Windows PE-CD – bis Server 2003) bzw. mit bcdedit (ab Server 2008).

Klappt das nicht, kann man den Befehl

bootcfg

aus der Recoveryconsole von Windows Server 2003. Mittels

bootcfg /add

kann man nach Windows-Installationen scannen und diese in die boot.ini eintragen lassen.

Beim Starten der VM Bluescreen: STOP: 0x0000007b

Ursache sind fehlende IDE-Standard-Treiber. Weitere Infos auch zur Fehlerbehebung hier: [Solved] Nach P2V startet die VM nicht

lsass.exe – System Error

lsass.exe – System Error : Security Accounts Manager initialization failed because of the following error: Directory Service cannot start. Error Status: 0xc00002e1. Please click OK to shutdown this system and reboot into
Directory Services Restore Mode, check the event log for
more detailed information

Das ganze trat beim Konvertieren eines Active Directory Domänencontrollers auf.
In diesem Fall bin ich dem ganzen aus dem Weg gegangen, indem ich einen anderen
Server zum Domänencontroller gemacht habe und die FSMO-Rollen umgezogen habe,
den Ausgangsserver heruntergestuft habe und erneut konvertiert habe.

Event ID: 12293 – Event Source: VSS (“Routine details Cannot ask provider if volume is supported.”)

Ich hatte diesen Event beim Versuch eines P2V mit disk2vhd (Sysinternals).
Eine mögliche Lösung wird hier beschrieben: http://nieronet.wordpress.com/2011/02/16/event-id-12293-event-source-vss-routine-details-cannot-ask-provider-if-volume-is-supported/

Nach Änderung an der VHD meldet Hyper-V: Fehler beim Starten von „SERVER“. Microsoft Emulated IDE Controller Fehler „Allgemeiner „Zugriff verweigert“-Fehler“ beim Einschalten

Wie man wieder die richtigen Berechtigungen setzt, habe ich hier beschrieben: Hyper-V 2008 R2: Nach Änderung an der VHD meldet Hyper-V: Fehler beim Starten von „SERVER“ 

Virtualisieren von Domänencontrollern

Wegen USN-Rollback darf die Konvertierung hier nur Offline erfolgen. Ausserdem sollte der DC mit FSMO-Rollen nicht virtualisiert vorhanden sein.

Siehe hierzu auch „Darf man einen Domänencontroller virtualisieren?“

http://www.faq-o-matic.net/2011/02/28/darf-man-einen-domnencontroller-virtualisieren

Ist diese Liste nützlich?

Du kannst diese Liste für deine Zwecke verwenden, bitte setze einfach einen Link auf diese Seite.

Bestseller Nr. 1
Microsoft Hyper-V: Das Handbuch für Administratoren. Aktuell zu Windows Server 2016
  • Nicholas Dille, Marc Grote, Nils Kaczenski, Jan Kappen
  • Herausgeber: Rheinwerk Computing
  • Auflage Nr. 3 (29.05.2017)
  • Gebundene Ausgabe: 948 Seiten
Bestseller Nr. 2
Hyper-V: Praxishandbuch zu Windows Server 2019 (mitp Professional)
  • Frank Miller
  • Herausgeber: MITP
  • Auflage Nr. 2019 (28.02.2019)
  • Broschiert: 440 Seiten

Das könnte dich auch interessieren:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.